Tag 1

Vorneweg, es geht allen gut. Niemand will abbrechen, alle wollen Nordstrand erreichen.
Doch fangen wir von vorne an.

Tag 1:
Mittwoch 09:00, es soll losgehen. Alle sind pünktlich, da kommt der erste Knüller: Ein Schüler hat seine Stöcke vergessen. Gut, schnell zwei Stöcke gebaut und los. Nach 400m der erste Zwischenfall: Eine Rucksackkonstruktion, die ich zunächst für eine logistische Meisterleistung hieß, entpuppte sich als tickende Zeitbombe. Mit einem lauten Plopp fielen sämtliche Jacken, die mühevoll am Rucksack eines Schülers außen angebracht wurden, in alle Richtungen davon. Also Rucksack neu packen. Langsam durch Pinneberg rollen. Es geht schleppend voran. "Herr Bollmann, meine Schultern tun weh",  ".Herr Bollmann können sie meinen Rucksack zumachen?", "Herr Bollmann ich kriege kein Wasser aus der Trinkblase", etc. usw...... .
Dann, nach 8 km kommt es zu einem unglaublichen Zwischenfall. Eine Schülerin möchte nicht mehr  weiterfahren,  ist sehr erschöpft. Ich schlage vor noch wenigstens 300m bis zum Schatten unter die Bäume zu fahren. Sie wollte lieber jetzt und hier sitzen bleiben. Also habe ich zwei Schülerinnen an ihre Seite gestellt und bin mit dem Rest zum Schatten gefahren. Dann fuhren zwei Schülerinnen zurück um ihr den Rucksack abzunehmen.  Kurze Zeit später bekam ich die Nachricht, dass ich schnell kommen soll. Ich hingefahren, mittlerweile waren drei Autos dort stehen geblieben, eine Frau versuchte die hyperventilierende Schülerin zu beruhigen. Notarzt gerufen, Polizei kam auch. Und jetzt gings erst richtkg los: Die Schülerin sagte sie sei mit Fieber gefahren (was zum Glück nicht stimmte), die wütenden Sanitäter machten mir klar, dass es lebensgefährlich sei mit Fieber Sport zu machen. Die Schüler verstanden nur, dass die  Schülerin in Lebensgefahr schwebt. Schließlich kam die Polizei noch und offenbarte, dass sie gegen mich wegen unterlassener Hilfeleistung ermitteln würde. Nachdem ich alles schilderte, ließen sie sich dann beruhigen. Als ich schließlich bei den Schülern fix und fertig ankam, war die Hälfte in Tränen aufgelöst. Teilweise aus Angst um die Schülerin, oder aus diversen anderen Gründen. Nach einer halben Stunde intensiver Beruhigungsarbeit, ging es endlich weiter.
Lange Rede kurzer Sinn. Wir sind tatsächlich in Horst gegen 17:30 angekommen. Dort erwartete man uns mit Säften, Nudelsalat, Würstchen,  Joghurt, Baguettes, Käse, Brot, Aufschnitt,  Naschi etc. Das hob zumindest bei den meisten die Stimmung. Dennoch wollten 3 SuS abbrechen. Nach diversen Elterngesprächen, leckerem Abendbrot, unzählig getrockneten Tränen und einer warmen Dusche, sind endlich alle eingeschlafen.

Viele Grüsse aus Horst