Kamerun Blog

21. Juli 2016

Zwei Länder, zwei Kulturen, eine Freundschaft. Besuch unserer kamerunischen Freunde in Deutschland - Juli 2016

Am 01. Juli 2016 begannt das Abenteuer. Zehn Schüler und zwei Lehrer aus Kamerun kamen nach Deutschland, um das Land und die Kultur kennenzulernen und wir konnten es kaum erwarten sie zu begrüßen.

Ihr Flug sollte um 10.45 Uhr ankommen. Leider gab es eine Verspätung von über einer Stunde und wir mussten uns in Geduld üben.

Gemeinsames Vorbereitungsseminar

Aber dann war es endlich so weit! Die Kameruner landeten und wir machten uns direkt auf den Weg nach Rahlstedt, wo wir ein von ENSA geplantes Vorbereitungsseminar besuchen würden. Die ENSA ist ein entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm, das unseren Austausch mit einem Zuschuss und mit Seminarleitern fördert. Unsere Seminarleiter und -leiterin sind Doris Enders und Nenad Cupic, die schon vorweg einen Kennenlerntag bei uns in der Schule organisiert haben.

Schon im Bus nach Rahlstedt wurden angeregte Gespräche geführt. Die Sprachbarriere existiert zwar, ist aber kein zu großes Hindernis um sich kennenzulernen.
In Rahlstedt angekommen wurden wir von Doris und Nenad herzlich begrüßt und kurze Zeit später gab es auch etwas zu essen. Da für viele der Kameruner die Soße mit den Krabben nicht ganz geheuer war, griffen sie auf das vegetarische Essen zurück.

In dem Seminar ging es darum, wie schwierig Kommunikation sein kann, was für Bilder wir von Kamerun und Deutschland jeweils hatten und um “the danger of the single story“, also die Gefahr nur einseitige Geschichten von Menschen und Ländern zu kennen. Wir haben lange darüber gesprochen, dass viele Geschichten mit zweitens und nicht mit erstens beginnen und so die Vorgeschichte und damit viele Beweggründe, weglassen werden.

Am Abend war immer noch Zeit sich besser kennenzulernen und gemeinsame Interessen zu finden.

Am Sonntag war es dann Zeit für die Rückfahrt und endlich konnten die Kameruner sehen, wo und mit wem sie die nächsten drei Wochen leben würden.

Projektprogramm

Für die nächsten zwei Tage waren Schulbesuche geplant. So gut wie möglich versuchten wir den Kamerunern unsere Schule und unser Schulsystem zu erklären. Für Sie war das alles sehr seltsam, da das College Jean Tabi eine sehr klassische und strenge Schule ist.

Am Dienstag spielten wir außerdem mit einem Sportkurs Hockey im Stadtpark

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Am nächsten Tag machten wir eine selbst organisierte Stadttour des Geographiekurses. Wir zeigten ihnen die vielen verschiedenen Seiten Hamburgs. Das Wetter spielte leider nicht mit und es regnete, war windig und kalt. Viele der Kameruner froren, da sie überhaupt nicht an das Hamburger Wetter gewöhnt waren.

Trotzdem besuchten wir das Rathaus, den Michel, die Kramer Amtsstuben, die Zitronenjette und so ziemlich jede andere Sehenswürdigkeit die Hamburg zu bieten hat. Einen Kulturschock gab es auf der Reeperbahn und ein schnelles Mittagessen bei McDonalds.

Die Hafenrundfahrt war nicht so beliebt wie wir uns das vorgestellt haben, da es auf dem Schiff noch windiger und nasser war als auf dem Land und sowieso schon alle froren.

Nach der Stadttour gingen noch einige in ein Restaurant, um mit einer der Kamerunerinnen Ramadan zu feiern.

Am nächsten Tag ging es in die Uni. Vom Philosophenturm aus hatten wir einen fantastischen Blick über Hamburg. Wir erfuhren einiges über die Kolonialgeschichte und über die Deportationen am Dammtorbahnhof in der Zeit des Nationalsozialismus. Anschließend erkundeten wir weiter die Universität, wo dann einige von uns in einem Café die Müdigkeit mit Kaffee zu bekämpfen versuchten.

Am Nachmittag gab uns Frau Bremehr auf dem Schulhof Anregungen zu unserem kreativen gemeinsamen Projekt mit dem Schwerpunkt: Tanz. Anschließend traf sich die kamerunische und die deutsche Gruppe alleine und mit Hilfe von Studentenfutter und Haribos wurden die gemeinsamen Erfahrungen mit der jeweiligen anderen Gruppe der letzten Woche ausgetauscht.

Am Freitag arbeiteten wir an unserem Kunstprojekt und sahen eine Präsentation des internationalen Profils. Die Präsentationen waren auf deutsch und daher sehr schwer für die Kameruner zu verstehen.

Freizeit

Am Abend trafen wir uns nochmal um ins Kino zu gehen. Zusammen schauten wir uns „Jurassic Park“ auf englisch an.

Auch am Wochenende machten wir viel zusammen. Beispielsweise gingen einige von uns auf den Flohmarkt, was für die Kameruner etwas ganz Neues war. Ein paar der Mädchen gingen auch auf ein Festival, was sehr gut ankam, da man in Kamerun unglaublich gerne tanzt.

Am Sonntag machten wir einen Strandtag. Das Wetter war gut und so konnten wir den Tag am Elbstrand verbringen, Musik hören und Fußball spielen.

Hamburg-Programm

Eine Führung durchs Rathaus war am Montag geplant. Unser wunderschönes Rathaus beeindruckte alle und auch die fantastischen Sprachkenntnisse und das große Wissen der Rathausführung erntete Bewunderung.

Am nächsten Tag gab es eine Dosis Kultur. In der Hamburger Kunsthalle bewunderten wir unter anderem die Kunstwerke von Édouard Manet. Es war interessant zu sehen wie die Kameruner auf die Ausstellung reagierten, da die meisten von ihnen noch nie in einer solchen Kunstausstellung gewesen waren.

Nach dem Besuch der Kunsthalle hatten wir großen Spaß daran, einige Bilder Manets nachzustellen.

Am Abend nahmen wir an der Mitgliederversammlung unseres Partnerschaftsvereins NetzWIRkung teil, berichteten über unseren Austausch und trafen auch die kamerunischen LehrerInnen, die sich gleichzeitig in Hamburg anlässlich einer Bildungsfahrt im Landesinstitut befanden. Dieser Abend klang gemütlich beim gemeinsamen Grillen aus.

Besuch in Berlin

Am Donnerstagmorgen machten wir uns auf den Weg nach Berlin. Wir zeigten den Kamerunern unsere Hauptstadt und liefen so ziemlich durch ganz Berlin. Leider war es extrem kalt!

Immerhin hatten wir Zeit um Geschenke für die Familien in Kamerun zu kaufen.

Am Freitag besuchten wir den Reichstag. Leider war der Vortrag im Reichstag auf Deutsch und viel zu schnell, als dass wir ihn übersetzen konnten. Am Abend ging es dann wieder völlig erschöpft nach Hamburg.

Letztes Wochenende

Das nächste Wochenende war das letzte, dass wir mit den Kamerunern haben würden. Deswegen genossen alle ihr Wochenende hauptsächlich mit ihren deutschen Familien. Sonntagabend gingen einige von uns zum Abiball. Die Kameruner freuten sich sehr, da viele von ihnen gerne auf Partys gingen.

Am Montag präsentierten wir in der Oberstufe unser Projekt. Und am Dienstag wurde hauptsächlich gepackt. Abends trafen wir uns alle nochmal mit den Familien im Stadtpark um zu grillen und uns zu verabschieden, denn am Mittwoch um fünf Uhr morgens ging es für die Hälfte der Gruppe zurück nach Kamerun.

Ein schwerer Abschied, aber immerhin wussten wir, dass wir uns bald wiedersehen würden.

- Ronja Kroll

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